Mikroevolution 

Darwin beobachtete, dass Tiere sich innerhalb weniger Generationen äußerlich geringfügig verändern können. Er meinte, wenn ausreichend viele solcher kleinen Veränderungen erfolgt sind, würde auf diese Weise eine neue Art hervorgehen.

••  Was Darwin beobachtete, war keine evolutionsrelevante Veränderung des Erbgutes, sondern normale Merkmalsvielfalt innerhalb einer Art. Diese Vielfalt ergibt sich daraus, dass alle Pflanzen und Tiere doppelte (diploide) Genausstattung haben. Nur eines von beiden Genen wird in einem Individuum in der Regel als Merkmal ausgebildet. Das andere wird aber dennoch vererbt und kann in einer späteren Generation zur Ausprägung kommen.

••  Die Merkmalsvielfalt innerhalb einer Art kann man züchterisch nutzen: In einem Wurf Hundewelpen gibt es vielleicht einen Welpen mit besonders dunklem Fell. Wenn dieses Tier mit einem anderen ebenfalls dunklen Hund gepaart wird, werden deren Nachkommen alle oder fast alle dunkles Fell haben. So züchtet man Rassen. Es entsteht dabei nicht ein einziges neues Gen. Die Artgrenze ist unüberwindlich. Man kann eben aus einem Hund keinen Tiger züchten.

••  An Genen treten manchmal Veränderungen auf. Sie heißen Mutationen. Sie sind zufallsgesteuert. Man könnte erwarten, dass zufallsgesteuerte Veränderungen an einem hochkomplizierten funktionierenden System Nachteile mit sich bringen. Das ist auch so. Alle Mutationen sind Defektmutationen. Oft sind die defekten Gene zunächst rezessivMendel'sche Vererbungslehre: Ein rezessives Gen kommt nur dann zur Ausprägung, wenn beide Allele rezessiv sind. und werden zugunsten des gesunden AllelsAllele sind die korrespondierenden Abschnitte auf den beiden Chromosomen, die dasselbe Merkmal kodieren. ignoriert.

••  Manchmal liest man, nur 99 % aller Mutationen seien schädlich und in dem verbliebenen einen Prozent stecke der Schlüssel zur Aufwärtsentwicklung. Die vermeintlich nützlichen Mutationen sind aber dennoch für den mutierten Organismus ein Defekt, nur für den Menschen sind sie nützlich, z. B. bei den Zwergschafen, die nicht mehr so gut weglaufen können, oder bei den kernlosen Weintrauben, die man gerne isst, die aber unfruchtbar sind.

••  Darüber hinaus gibt es noch etwa drei Beispiele für den evolutiven Nutzen von Mutationen: der Birkenspanner in England (ist aber gar keine Mutante), die Sichelzellenanämie (auch eine Defektmutation, Beispiel ist aber für Laien schwer zu durchschauen) und die Penicillinresistenz bei Bakterien (wird im Folgenden erläutert):

  Unter 1 Million Bakterien gibt es möglicherweise einige, die von Natur aus gegen ein bestimmtes Antibiotikum resistent sind. Daraus wird schnell eine resistente Rasse – ganz ohne genetische Höherentwicklung.

  Es gibt auch Penicillinresistenz durch Mutation: Die Mutation beschädigt den „Pumpmotor“, der Substanzen aus der Umgebung des Bakteriums in den Bakterienkörper befördert. Ist dieser Motor beschädigt, gelangt weniger Bakteriengift Penicillin in den Bakterienkörper und das Bakterium überdauert Penicillingaben länger. Es ist wegen des Motordefektes aber zugleich schwach und anderen gesunden Bakterien unterlegen. Darum überlebt es nur in der künstlichen Umgebung einer Krankenhausintensivstation. Patienten mit anitbiotikumresistenten Bakterien in sich können diese Stämme erst los werden, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen sind: In der freien Natur sind die beschädigten Bakterienstämme schnell von der gesunden Bakterienkonkurrenz verdrängt.

••  Es gibt also nicht einen Fall von Höherentwicklung durch Mutation. Das wäre auch die Überraschung schlechthin, da doch Mutationen keine neuen Informationen bereitstellen, sondern nur vorhandene Informationen zufällig ändern. Es fehlt in allen Organismen dieser Erde ein Mechanismus, der neue Informationen hinzufügt und die Zahl der Gene vermehrt.

••  Wenn ein Mechanismus zur Informationsvermehrung in allen Organismen existieren würde, müsste man die Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten neuer sinnvoller Gene berechnen wie auf der Seite Rechenaufgabe vorgeführt.

••  Zufallsgesteuerte Veränderungen an Genen treten recht häufig auf. Enzyme kontrollieren deshalb unablässig die Gene und reparieren Fehler und zufällige Veränderungen wie Alkylierungen, Oxidationen, fehlerhafte Replikationen etc.: Eine DNS-Glykosylase schneidet das beschädigte Segment der DNS heraus, eine DNS-Polymerase stellt das erforderliche Ersatzteil her, eine DNS-Ligase bindet das Ersatzteil in den DNS-Strang ein. Viele weitere Kontroll- und Reparaturmechanismen sind aktiv. Man muss sich fragen, wie durch Zufall ein so komplexes, aufwendiges System entstehen konnte, dass zufällige Änderungen systematisch unterbindet. Es sorgt dafür, dass Arten sich nicht ändern.

••  Trisomie 21Trisomie 21 ist eine Krankheit (Down-Syndrom), die dadurch verursacht wird, dass eine Mutation das 21. Gen dreifach statt zweifach hervorbringt. (beim Menschen) und AlloploidieAuch Allopolyploidie: Das Genom wird identisch vervielfacht und ggf. dann durch Kreuzung mit dem Chromosomensatz einer zweiten Pflanzenart kombiniert. (bei Gräsern) sind Beispiele für identische Chromosomenvervielfältigung. Dass sich funktionierende Chromosomen oder auch einzelne Gene auf einem Chromosom unter bestimmten Umständen identisch vervielfätigen (Genduplikation, Pseudoallele), setzt einen komplexen, nicht-zufallsgesteuerten zellulären Aktionsplan für die zielführende Verdoppelung voraus. Die Entstehung dieses genetisch fixierten Aktionsplans gilt es zu erklären. Mehr noch: Die Entstehung von Informationen auf dem Ausgangschromosom, das identisch verdoppelt werden kann, gilt es zuallererst zu erklären. Ganz sicher demonstrieren Trisomie 21, Alloploidie oder Genverdoppelung darum nicht den für die Evolutionstheorie erforderlichen, zufallsgesteuerten Mechanismus zur Bereitstellung neuer genetischer Informationen.

••  Rassen bildende Veränderungen innerhalb einer Art, ob mit oder ohne Mutation, werden manchmal als Mikroevolution bezeichnet, vielleicht ein irreführender Begriff. Die Mikroevolution gibt es. Sie beruht auf dem (diploiden) Überangebot von fertigen Merkmalen in einer Population. Die Mikroevolution hat nichts mit der universellen Evolutionstheorie, der Theorie von der Selbstorganisation und artüberschreitenden Selbstverbesserung biologischer Systeme zu tun. Diese universelle Evolution gibt es nicht, weder auf theoretischer Grundlage noch auf empirischer. Die theoretischen Grundlagen („Selbstorganisation ist mathematisch ganz unmöglich“) und die empirischen Grundlagen („alle Mutationen sind Defektmutationen“) sind perfekt in Übereinstimmung.


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