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Im Augenblick des Todes fahren wir an einen Warteort im Innern der Erde (vgl. 4. Mose 16:31-33[31] Und als er diese Worte hatte alle ausgeredet, zerriss die Erde unter ihnen [32] und tat ihren Mund auf und verschlang sie mit ihren Häusern, mit allen Menschen, die bei Korah waren, und mit aller ihrer Habe; [33] und sie fuhren hinunter lebendig in die Hölle mit allem, was sie hatten, und die Erde deckte sie zu, und kamen um aus der Gemeinde., Hes. 31:14... auf dass sich forthin kein Baum am Wasser seiner Höhe überhebe, dass sein Wipfel unter großen, dichten Zweigen stehe, und kein Baum am Wasser sich erhebe über die anderen; denn sie müssen alle unter die Erde und dem Tod übergeben werden wie andere Menschen, die in die Grube fahren. ff.). Es ist nicht der Himmel oder die Hölle, sondern ein Ort, an dem alle Seelen auf das endgültige, so genannte Jüngste Gericht warten. Dieser Warteort heißt im Hebräischen scheol und taucht im Alten Testament 65 mal auf, wird aber uneinheitlich übersetzt, mal als Hölle, mal als Totenreich etc. An diesem Warteort scheol ist man nicht tot, sondern lebendig. Den Zustand des Nicht-mehr-Existierens gibt es nicht, vgl. Joh. 5:25Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören; und die sie hören werden, die werden leben., wo Jesus über Menschen spricht, die damals, zu seinen Lebzeiten, schon gestorben waren: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten werden die Stimme des Sohnes Gottes hören; und die sie hören werden, die werden leben. Ebenso: Luk. 9:60: ... Lass die Toten ihre Toten begraben; ... oder 1. Petr. 3:18: ... getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. Das Wort scheol wird im Griechischen hades (ᾴδης) genannt. Dann gibt es noch das griechische Wort gehenna (γέεννα, Strong: G1067). Es wird auch mit Hölle übersetzt, aber im Sinn eines Ortes in der Zukunft (Feuersee, Ort der Verdammnis).
Den Warteort im Innern der Erde, den Hades, gibt es aber jetzt schon. Er ist kein schöner Ort, siehe Hes. 26:20: und will dich hinunterstoßen zu denen, die in die Grube gefahren sind, zu dem Volk der Toten. Ich will dich unter die Erde hinabstoßen in die ewigen Wüsten zu denen, die in die Grube gefahren sind ... Nach dem Sündenfall war jedem Menschen der Warteort scheol bestimmt, vgl. die Worte Samuels, gerichtet an Saul, aus 1. Sam. 28:19: ... Morgen wirst du und deine Söhne mit mir sein. .... Keine noch so gute Moral und Lebensführung kann uns vor dem Totenreich bewahren. Man kann sehen, wie groß der Erfolg war, den der Teufel mit seinem Verführungs- und Zerstörungsplan (vergl. 1. Mose 3) hatte. Das Alte Testament erklärt aber auch, dass es eine Hoffnung für die Seelen im Totenreich gibt, Psalm 49:16: Aber Gott wird meine Seele erlösen aus der Hölle [hebr.: scheol] Gewalt; denn er hat mich angenommen. Psalm 86:13: Denn deine Güte ist groß gegen mich, und du hast meine Seele errettet aus dem untersten Scheol. [Elberfelder-Übersetzung]
Jeder Mensch muss nach dem Sündenfall ins Totenreich. Vor Christi Kreuzigung hatte der Teufel auf irgend eine Weise „Gewalt“ über den Tod (Hebr. 2:14-15[14] Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben, ist er dessen gleichermaßen teilhaftig geworden, auf dass er durch den Tod die Macht nehme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel, [14] und erlöste die, so durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mussten.) oder das Totenreich. Christus ist gekommen, uns von dieser Macht des Todes und diesem Totenreich scheol loszukaufen, zu erlösen (vgl. Hebr. 2:14: ... auf dass er durch den Tod die Macht nehme dem, der des Todes Gewalt hatte, das ist dem Teufel ...) Durch Christi Tod hat sich am Ort des Totenreiches etwas verändert. Vor Christus gab es möglicherweise nur einen einzigen Warteort für alle Seelen, nun aber hat es den Anschein, dass es im Augenblick des Todes schon eine Vorauswahl gibt und entsprechend an diesem Warteort zwei Abteilungen, eine für die Gerechten, die andere für die Bösen. Die beiden sehr verschiedenen Aufenthaltsorte sind nicht weit voneinander entfernt – man kann hinübersehen und sogar hinüberrufen, siehe Lukas 16:22-26: Es begab sich aber, dass der Arme starb und ward getragen von den Engeln in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und ward begraben. Als er nun in der Hölle [gr. hades = Totenreich] und in der Qual war, hob er seine Augen auf und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich mein und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und kühle meine Zunge; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, und Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeinigt. Und über das alles ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, dass die wollten von hinnen hinabfahren zu euch, könnten nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüberfahren. So leiden also die Bösen schon im Wartezustand nach dem Tod Qualen. Für die Gerechten gibt es ebenfalls schon am Warteort, gleich nach dem Tod, einen Vorgeschmack der Herrlichkeit, zwar nicht wie im Himmel, aber doch dem Paradies gleich. Darum sagt Christus zum Schächer am Kreuz, Luk. 23:43: ... Heute wirst du mit mir im Paradiese sein. Dieser Ort ist nicht im Himmel. Christus sagt hier ja, er würde selbst unmittelbar nach seinem Tod dorthin gehen. Wo der Ort liegt, zeigt Matth. 12:40 an: Denn gleichwie Jona war drei Tage und drei Nächte in des Walfisches Bauch, also wird des Menschen Sohn drei Tage und drei Nächte mitten in der Erde sein. An diesem Ort im Inneren der Erde hat Christus zu den schon Gestorbenen gepredigt (1. Petr. 3:18-20[18] Sintemal auch Christus einmal für unsere Sünden gelitten hat, der Gerechte für die Ungerechten, auf dass er uns zu Gott führte, und ist getötet nach dem Fleisch, aber lebendig gemacht nach dem Geist. [19] In demselben ist er auch hingegangen und hat gepredigt den Geistern im Gefängnis, [20] die vorzeiten nicht glaubten, da Gott harrte und Geduld hatte zu den Zeiten Noahs, da man die Arche zurüstete, in welcher wenige, das ist acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser; ...).
An diesem Warteort hat man noch keinen neuen, herrlichen Körper. Aber die Seele tritt auch dort körperlich in Erscheinung; man erkennt sich (1. Mose 37:35: ... Ich werde mit Leid hinunterfahren in die Grube [sheol = Totenreich] zu meinem Sohn [= Josef].) Mehr noch: Der Warteort scheint für wiedergeborene Christen seit Christi Tod und Auferstehung himmelwärts geöffnet, denn während wir von David lesen (Apg. 2:34) ... David ist nicht gen Himmel gefahren ..., sieht Stephanus den Himmel offen (Apg. 7:56): Siehe, ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen. Die Worte des Paulus klingen, als ob Christus am Warteort gegenwärtig ist (Phil. 1:23): ... ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christo zu sein, was auch viel besser wäre ..., oder klingen gar so, als ob die von Christus Erlösten gar nicht in den Warteraum im Inneren der Erde kommen, sondern direkt zu Christus auffahren.
Passend zu der Vorstellung zweier getrennter Warteräume, nennt die Bibel zwei getrennte Auferstehungen. Die erste Auferstehung erfasst nur die Gläubigen und fällt zusammen mit der Wiederkunft Christi und dem Beginn des Tausendjährigen Reiches, Offenb. 20:6: Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über solche hat der andere Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre. Diese erste Auferstehung wird von manchen Christen „Entrückung“ genannt und oft mit falschen Vorstellungen verknüpft, etwa der, dass die „Entrückung“ heimlich geschehen solle, noch bevor Christus wiederkommt. Hingegen zeigen die beiden einzigen relevanten Bibelstellen deutlich an, dass diese erste Auferstehung nicht heimlich, sondern öffentlich ist und von lautem Posaunensignal begleitet wird, 1. Kor. 15:51-52: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune ...; 1. Thess. 4:15-17: ... wir, die wir leben und übrig bleiben auf die Zukunft des Herrn, werden denen nicht zuvorkommen, die da schlafen. Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst. Darnach wir, die wir leben und übrig bleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken, dem Herrn entgegen ... Es sieht so aus, als ob hier der Augenblick der Wiederkunft Christi beschrieben wird. Die, die „übrig bleiben“, sind möglicherweise die, die in der verheerenden letzten Zeit übrig bleiben. Christus trifft sie in den Wolken, sie werden verwandelt und begleiten Christus auf die Erde.
Die zweite Auferstehung ist die Auferstehung zum Jüngsten Gericht, unmittelbar nach der 1000-jährigen Herrschaft Christi auf Erden (Off. 20:4-6). Die Gläubigen und Teilnehmer der ersten Auferstehung sind nicht dabei, sie kommen lt. Johannes 5:24Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. nicht in das Gericht. Sie sind ja Priester Gottes und Christi und regieren schon 1000 Jahre lang. Aber alle anderen Menschen müssen nun vor Gottes Thron erscheinen, Offenb. 20:11-15: Und ich sah einen großen, weißen Stuhl und den, der darauf saß; vor des Angesicht floh die Erde und der Himmel und ihnen ward keine Stätte gefunden. Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott, und Bücher wurden aufgetan. Und ein anderes Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken. Und das Meer gab die Toten, die darin waren, und der Tod und die Hölle [gr. = hades] gaben die Toten, die darin waren; und sie wurden gerichtet, ein jeglicher nach seinen Werken. Und der Tod und die Hölle [gr. = hades] wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der andere Tod. Und so jemand nicht ward gefunden geschrieben in dem Buch des Lebens, der ward geworfen in den feurigen Pfuhl.
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