Geozentrismus: Die Erde im Zentrum des Universums 

Für den Menschen, der den Lauf von Sonne und Mond beobachet und gleichermaßen für den Astronomen, der durch ein großes Teleskop schaut, hat es den Anschein, dass Sonne, Mond und Sternenwelt um die Erde kreisen. Solch ein Weltbild nennt man geozentrisch. Es war das Weltbild aller Kulturen, bis Kopernikus, Kepler, Newton u. a. ein heliozentrisches Modell zum wissenschaftlichen Standard erhoben. Dass die Sonne das ZentrumDas Massenzentrum und damit der Drehpunkt, um den sich auch die Sonne dreht, liegt im heliozentrischen Modell nicht im Zentrum der Sonne, sondern nur nahe dazu, denn der theoretische Massenschwerpunkt ergibt sich aus der Summe aller beteiligten Massen, eben auch der von Erde, Mars etc. ist, um das die Planeten unseres Sonnensystems kreisen – auch die Erde – wird von der allgemeinen Bevölkerung heute als ein wissenschaftlich gesichertes Faktum angesehen.

••  Es ist höchst verwunderlich, dass die Bewegung der Planeten in unserem Sonnensystem scheinbar seit Milliarden Jahren konstant ist. Wenn unser Sonnensystem seit 4,5 Milliarden Jahren existiert, wie alle etablierten Wissenskanäle verbreiten, dann müsste die Erde sich schon 4,5 Milliarden Mal um die Sonne gedreht haben, der Mars etwa 2,3 Milliarden Mal etc. Selbst die allergeringste Abweichung von einer perfekten Umlaufbahn oder Widerstand bei der Bewegung oder gravitativer Einfluss eines anderen Himmelskörpers würde mit mathematischer Sicherheit dazu führen, dass nach entsprechender Zeit der Planet ins All wegdriftet oder in die Sonne stürzt. Wenn die Planeten schon seit 4,5 Milliarden Jahren unkorrigiert und perfekt auf ihren Bahnen kreisen – wer oder was hat sie auf diese Bahn gesetzt? Sie waren ja auf einer anderen Bahn, als sie auf unser Sonnensystem zukamen, sie hätten wenigstens einmal einen Winkel oder die Geschwindigkeit ändern müssen, um dann auf der jetzigen perfekten Umlaufbahn weiterzufliegen. Eine Unmöglichkeit. Also bleibt, dass Gott die Planeten in die Umlaufbahn gesetzt hat, oder dass die Newton'schen Gravitationsgesetze nicht anwendbar sind, oder dass die 4,5 Milliarden Jahre Unfug sind, oder dass unser Modell vom Sonnensystem nicht stimmt (und zusätzlich die Newton'sche Gravitationslehre nicht anwendbar ist).

••  Nach den Messungen der drei Raumsonden COBE (Cosmic Background Explorer), WMAP (Wilkinson Microwave Anisotropy Probe) und Planck (Planck Surveyor) ist nicht nur die auf der Seite Urknall schon erwähnte Ungleichmäßigkeit der Materialverteilung erwiesen, das größte Kuriosum ist, dass die Verteilung der Materie und ihre Bewegungen tatsächlich die Erde zum Mittelpunkt zu haben scheint (Stichwort: Achse des BösenSchild, R.E. & Gibson, C.H. (2011). Goodness in the Axis of Evil. Journal of Cosmology, Vol. 16 (October), p. 6892-6903.). Die Messung der Mikrowellen-Hintergrundstrahlung (Bild aus Copi et al.Craig J. Copi, Dragan Huterer, Dominik J. Schwarz und Glenn D. Starkman (2015). Large-scale alignments from WMAP and Planck. Monthly Notices of the Royal Astronomical Society 449(4), 3458-3470.) zeigt, dass das Universum nach Maßgabe einer Dipolachse in zwei Hemisphären geteilt ist, ausgerichtet am Äquator der Erde. Es findet sich auch eine Quadrupolachse, die an der Erde-Sonne-Ekliptik ausgerichtet ist. Am Schnittpunkt beider Achsen befindet sich die Erde. Wenn man will, könnte man das so deuten, dass sich das Universum um die Erde dreht. Das heißt: Die Summe der gegenseitigen Anziehungskräfte aller Himmelskörper ergibt als den Newton'schen theoretischen Massenschwerpunkt die Erde. Dieses Szenario würde die menschengemachten SatellitenWenn man die künstlichen Satelliten nicht immer wieder in ihrer Bahn korrigiert, driften sie bald ab. am Platz halten, die Abflachung der Pole verursachen oder die Bewegung des Foucault'schen Pendels erklären.

Gemüter, die ihre physikalische Ausbildung in Ehren halten wollen, seien erinnert, dass ein geozentrisches Weltbild sich ganz und gar durch das relativistische Dictum von der Äquivalenz aller Inertialsysteme rechtfertigen lässt; die Modellierung der Bewegungen wird halt aufwendiger als in einer heliozentrischen Ordnung. Letztlich scheinen aber die Newton'schen Gravitationsgesetze keine hinreichende Erklärung für die Bewegung der Himmelskörper. Die „dunkle Materie“ wurde ja u. a. deshalb erfunden, weil sich Galaxien 10-mal schneller drehen als nach den Gravitationsgesetzen zu erwarten war und man ein Mittel suchte, die Galaxien zusammenzuhalten. Nur 5 Prozent des Universums sei sichtbar und mit herkömmlicher Physik beschreibbar. Der Rest des Universums sei die hypothetische „dunkle Materie“ (27 Prozent) und die ebenso hypothetische „dunkle Energie“ (68 Prozent).

••  Das Michelson-Morley-ExperimentLicht wird in einer kreuzförmigen Apparatur gleiche Wege horizontal und im rechten Winkel dazu, z.B. vertikal, hin- und hergeschickt. Horizontal sei hier in Bewegung der Erdrotation. Das Bild rechts ist anklickbar. von 1887 wurde oft wiederholt und bestätigt: Das Licht legt in gegebener Zeit in Richtung der Erdrotation genauso viel Strecke zurück wie im rechten Winkel dazu, so als ob die Erde sich nicht bewegt. Eine stationäre Erde würde anknüpfen an ein altes, biblischesDas frühere geozentrische Weltbild gründete sich auf Bibelstellen wie Hiob 26:7, Ps. 96:10, Ps. 104:5, Jer. 31:35., längst in Ungnade gefallenes geozentrisches Weltbild, das nicht nur die Erde im physikalischen Zentrum sieht, sondern auch den Menschen auf ihr. Die meisten Wissenschaftler des ausgehenden 19. Jahrhunderts waren nicht gewillt, ihre kopernikanische WeltsichtDas so genannte kopernikanische Prinzip ist die Annahme, dass die Erde und der Mensch nicht zentral oder von besonderer Bedeutung im Kosmos sind. aufzugeben. Einstein kam nun daher mit seiner speziellen Relativitätstheorie, die er konkret dazu ersonnen hatte, das NullergebnisGanz genau ging es in dem Experiment um die Wirkung des Äthers, des vermuteten Mediums, in dem sich Licht ausbreite, denn es sei ja eine Welle und brauche ein Medium zur Ausbreitung. Weitere Erklärungen im anklickbaren Bild rechts. von Michelson-Morley zu konterkarieren*So etwa äußerte sich Einstein auf seiner Rede in Kyoto, Japan, 1922.. Darum fand die Relativitätstheorie auch bald Akzeptanz. Die Relativitätslehre, die das physikalische Weltbild heute dominiert, ist also mit der a priori Entscheidung einer Mehrheit von Wissenschaftlern verknüpft, dem biblisch-geozentrischen Weltbild den Laufpass geben zu wollen. Heute wird nun relativistisch argumentiert, dass es in der physikalischen Messvorrichtung von Michelson und Morley eine „Lorentz'sche Kontraktion“ gibt, eine physikalische Verkürzung der Apparatur in nur einer Richtung. Eine Absurdität! Real ist diese Verkürzung natürlich nicht vorhanden.

Man hat den Eindruck, dass man sich bei nicht wenigen Behauptungen der Relativitätslehre (und auch der Quantenphysik) im Märchenland befindet.

••  Einstein'sche Zeitdilatation= Zeitdehnung: Eine Uhr, die sich in einem schnell bewegten System befindet, z. B. an Bord eines Flugzeugs, läuft etwas langsamer als eine Uhr, die stationär ist. Solche Effekte der speziellen Relativitätslehre sind groß genug, dass man sie messen kann. Wenn sich die Erde um die Polachse dreht, wie man allgemein annimmt, dann müsste am Äquator eine Rotationsgeschwindigkeit von 1670 km/h anliegen (immerhin Überschallgeschwindigkeit) und eine Uhr am Äquator müsste langsamer laufen als eine Uhr am Pol. Messungen ergeben aber keinen Unterschied: ein starker Hinweis, dass die Erde sich nicht dreht. Um diesem Schluss zu entkommen, werden komplizierte Argumente eingeführt, etwa die Äquivalenz der Inertialsysteme oder gravitative Effekte (aus der allgemeinen Relativitätslehre), die die Zeitdilatation (aus der speziellen Relativitätslehre), die vorhanden sein müsste, aber die man leider nicht messen kann, wieder rückgängig gemacht haben sollen.

••  Gleichermaßen eindrucksvoll ist das Experiment von G.B. Airy (genannt Airy's failure), das für den Fall, dass die Erde sich bewegt, eine Richtungsänderung eines Sonnenlichtstrahls beim Eintritt ins Wasser erwarten lässt. Ähnliche Experimente gab es von F. Arago oder E. Mascart. Diese Experimente demonstrieren, dass die Erde stationär ist, obwohl sie nicht ausdrücklich zu diesem Zweck erdacht wurden. Es ist heute nahezu unmöglich, die wissenschaftliche Bedeutung der Experimente von Airy und von Michelson-Morley außerhalb der Aether-Theorie des 19. Jahrhundert diskutiert zu finden (oder aber im Zusammenhang mit der unhaltbaren These, die Erde sei eine Scheibe). Zur Erklärung der Ergebnisse des Experiments von Airy wird die Relativitätslehre benötigt. Aber wenn man davon ausgeht, dass die Erde stationär ist und sich auch nicht um die eigene Achse dreht, wird das Experiment von Airy ganz ohne Rekurs auf die Relativitätslehre widerspruchsfrei und plausibel.

Als Folge einer stationären Erde würde das Universum auf einen Bruchteil seiner bis dato als evident hingestellten Größe schrumpfen:

••  svgTycho Brahe (1546-1601) glaubte, die Erde sei der Mittelpunkt (hellblau auf der rechten Grafik), die Sonne (gelb) drehe sich um die Erde, die anderen Planeten unseres Sonnensystems drehen sich derweil aber um die Sonne. Brahes angenommene Planetenbahnen sind kreisförmig. Brahe bat seinen jungen Assistenten und Nachlassverwalter Johannes Kepler, das Modell zu veröffentlichen. Kepler veröffentlichte viele von Brahes Daten („Rudolfinische Tafeln“), nutzte dann aber Brahes ungeheuer akkurate Himmelsbeobachtungen zur Formulierung eines heliozentrischen Modells. Dazu war es nötig, elliptische Planetenbahnen zu postulieren.

Wo man sein Zentrum verortet, ist relativistisch gesehen ja egal, aber für die Bestimmung der Entfernungen im Weltall ist es folgenschwer, wenn man sich die Sonne zum Zentrum wählt und dann von der Erde aus die Entfernung zu den Sternen mittels ParallaxenbestimmungDie Entfernung von der Erde zu einem Stern errechnet man durch Bestimmung der Parallaxe (Winkel zum Stern) und anschließender Triangulation. misst. Bei dieser Technik nutzt man den Umstand, dass sich der Blickwinkel von der Erde zum Stern geringfügig verändert, wenn man den Stern von zwei unterschiedlichen Positionen auf der Erde anschaut. Unter der Annahme, dass die Erde um die Sonne kreist, befindet sich die Erde alle 6 Monate 180 Grad weiter auf ihrer Bahn, einer Umlaufbahn, deren Durchmesser 300 Millionen km beträgt. Die beiden Erdpositionen, von denen man den entfernten Stern anpeilen kann, liegen also vermutete 300 Millionen km auseinander. Ist die Erde jedoch stationär, kann man als Messpunkte für eine Triangulation nur zwei Orte wählen, die auf der Erdoberfläche vielleicht 10.000 km auseinander liegen. Die Entfernung zu den Sternen ist jetzt viel geringer und der Durchmesser des Universums verringert sich auf ungefähr 120 Lichttage.

Man kann wohl mit gleicher Berechtigung die Sonne als Zentrum wählen oder die Erde oder jeden anderen Punkt. Allerdings sind die Probleme zahlreich und groß, wenn man die Sonne als Mittelpunkt wählt, siehe Michelson-Morley, Airy's failure etc. Außerdem wird dann das Universum abstrus groß. Es ist darum die vernünftigere und überlegene Wahl, die Erde als zentral und stationär zu betrachten. Tycho Brahes Modell ist das derzeit beste geozentrische Modell.

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